Die Stadt Chemnitz liegt in der Mitte des Erzgebirgischen Beckens
an dem kleinen Fluss mit dem slawischen Namen Chemnitz, was zu
deutsch „Steinbach“ heißt.
An der Kreuzung alter Handelswege von Ost nach West und Nord nach
Süd gründete Kaiser Lothar der III. um 1136
ein Benediktinerkloster auf dem heutigen Schlossberg im Rahmen
der deutschen Ostkolonisation, welches im Jahr 1143 Handelsrechte
erhielt und dessen Äbte bis zur Reformation 1540 Reichsfürsten
waren.
Im Jahre 1165
erhielt die Siedlung durch Kaiser Friedrich der I. das Stadtrecht
und entwickelte sich später als Reichsstadt mit dem Bleichmonopol
- das ist eine wesentliche Grundlage für die textile Fabrikation
- zum sächsischen Garn- und Leineweberzentrum, welches von
großer Bedeutung für die Entwicklung der Region war.
Ab 1307
war Chemnitz wettinisch und in sächsischer Landeshoheit.
1531-1555
war Dr. Georg Agricola, ein berühmter Arzt und Geologe seiner
Zeit, Bürgermeister der Stadt.
Nach Gründung der ersten Großspinnerei 1798
und dem die Textilindustrie bedienenden Maschinenbau ab etwa 1810,
kam die Stadt zu Ihrer späteren Blüte des 20. Jahrhunderts.
Die Stadt wuchs von 1850
bis 1910 um das ca.
6-fache auf etwa 360.000 Einwohner an.
In ihr entstand neben dem Textilmaschinenbau, mit einem weit gefächerten
Sortiment, auch der Fahrzeugbau, darunter speziell ab 1850
der Dampflokomotivenbau in der ersten Chemnitzer Maschinenfabrik
des berühmten Ingenieurs Richard Hartmann, als auch solche
Maschinenbranchen wie der Werkzeugmaschinenbau und der Büromaschinenbau
mit dem berühmten Astra-Buchungsautomaten. In dieser Zeit
war Chemnitz international unter dem Namen „Sächsisches
Manchester“ bekannt.
Nach 1910
kam durch den hohen Stand der Industrialisierung im Erzgebirgsraum
mit dem Zentrum Chemnitz-Zwickau der PKW- und Motorradbau besonders
in Fahrt, weil auf wenigen Quadratkilometern alle Zuliefergewerke
des Automobilbaues durch Menschen beherrscht wurden. Nach anfänglichen
bedeutenden Entwicklungsleistungen der Unternehmer Horch (erster
8-Zylinder-PKW weltweit) und Rassmussen (erstes Zweitaktmotorad
RT125 weltweit) kam es dann 1932
durch die Sächsische Aufbaubank zur Zusammenführung
der an der Weltwirtschaftskrise erkrankten vier Autobetriebe "Horch
Zwickau", "Audi Zwickau", "Wanderer Chemnitz"
und "Rasmussen Zschopau" zur Autounion-AG. Die Autounion
mit ihrem Symbol der vier verschlungenen Ringe (die heutigen 4
Ringe bei "Audi Ingolstadt" sind eine Abwandlung dessen!)
war zwischen 1932 und 1944 die innovativste PKW-Schmiede der Welt,
die in dieser Zeit neben dem schnellsten Auto der Welt auch den
ersten Fronttriebler, den DKW-Front, später heißt er
F1, und die erste Ganzstahlkarosse auf dem F9 setzte, serienreif
entwickelte und auf dem Markt brachte. Die Basis der PKW-Blechkarosse
stellt die Werkzeug herstellende Industrie des gleichgelegenen
Wirtschaftsraum Aue-Schwarzenberg her, der noch lange nach dem
Zweiten Weltkrieg für VW, BMW und andere westdeutsche Autofabriken
die Großumformwerkzeuge liefert.
Im Februar und März 1945
wurde die Stadt Chemnitz Opfer angloamerikanischer Angriffe,
die als Vergeltungsschlag der Alliierten gegen Hitlerdeutschland
am Ende des Zweiten Weltkrieges noch galten. Die Stadt verlor
damals ihren gesamten Stadtkern, wichtige Betriebe, hochwertige
Industrieanlagen und beklagte weit über zehntausend Tote.
Nach dem Zweiten Weltkrieg zählte die Stadt nur noch knapp
zweihunderttausend Einwohner.
Nach 1949
mit der Gründung der DDR wurde Chemnitz eine der 15 Bezirkshauptstädte
der DDR und erhielt 1953
den Namen „Karl-Marx-Stadt“, den sie nach der Wende
1990 wieder in „Chemnitz“
zurückführte. In den 40 Jahren DDR-Zeit war ihre große
Aufgabe die Versorgung weiter Kreise der Ostblockstaaten (Warschauer
Pakt) mit deutschen Maschinenbauerzeugnissen. So wurde ein Sortiment
von ca. 80% aller bekannten Maschinenbauprodukte realisiert und
geliefert, aber in einem natürlich nur kleinen Losumfang
je Erzeugnis. Die Stadt wuchs in dieser Zeit durch erneute Konzentration
und Zentralisation der Industrie und durch bewusste Ansiedelung
von Menschen bis in die 90-iger
Jahre auf zeitweise über 330000 Einwohner wieder an.
Heute ist ein Großteil aller dieser maschinentechnischen
Zeitzeugen der Geschichte im neuen Industriemuseum von Chemnitz
teilweise voll funktionstüchtig noch zu sehen.
Mit der Wende 1990
brachen alle großen von der Treuhand der BRD gehaltenen
Volkseigenen Betriebe naturgemäß durch den Wegfall
des osteuropäischen Marktes zusammen. Mit der Eigentumsübernahme
durch Alteigentümer oder auch neuer Eigentümer reduzierte
sich entscheidend sowohl die Erzeugnispalette als auch die Mitarbeiteranzahl
in den Betrieben, weil Möglichkeiten oder Wille der neuen
Eigentümer nur begrenzt gegeben waren.
So kam in Chemnitz sukzessive ein völlig neues Leistungsprofil
zustande. Es entwickelte sich, neben den Außenstellen großer
westdeutscher Unternehmen, langsam aber sicher ein ostdeutscher
Unternehmergeist mit eigenem Kapital und eigener
Schöpferkraft. Die Region saniert sich heute auf dem noch
immer vorhandenen Wissen der weit gefächerten Maschinen-
und Fahrzeugbauindustrie und trägt dieses im Kleinen aber
auch Vielfältigen weiter fort. Heute zählt Chemnitz
nach massiven Abwanderungen etwa 250.000 Einwohner und strebt
eine fordere Stellung in Umfang und Vielfalt der deutschen Industrielandschaft
wieder an.
Für die Richtigkeit - Dr. habil. H. Kämpfe,
im April 2010